Menschen in Kirchseeon In unserem Ort gibt es zahlreiche Menschen, die besondere Geschichten zu erzählen haben. In dieser Rubrik stellen wir sie vor. Ganz leicht zu finden sind sie nicht, die Räume von „MakerSpace EBE – die offene Werkstatt im Raum Ebersberg“. Oben auf dem Berg, über den Dächern von Alt-Kirchseeon, hat der 2022 gegrün- dete Verein auf dem Campus des Berufsbildungswerks (BBW) St. Zeno eine Heimat gefunden. Auf rund 120 Quadratmetern können die rund 50 Mitglieder ihrer Leidenschaft frönen, Neues zu schaffen und Altes wieder instandzusetzen. Dafür stehen ihnen allerlei Maschinen und Werkzeuge zur Verfü- gung – zum Bearbeiten von Holz ebenso wie zum Bedrucken unter- schiedlichster Materialien, 3-D-Druck, Laserschneiden oder dem Elektronikbasteln. Zusammengebracht hat die Technikfreaks, Bastler und kreativen Visionärinnen der Wunsch, nach Herzenslust aktiv sein zu können. Und zwar – nach dem Eintragen in einen Kalender - dank elektroni- schem Schlüssel und der Abgeschiedenheit der Örtlichkeit, rund um die Uhr. Mit einer Ausrüstung, die man sich privat nicht mal eben so zulegt. „Wer stellt sich schon eine Kreissäge ins Wohnzimmer?“, sagt lachend Michael Graf. Der 66-jährige Vorstandsvorsitzende war schon bei der Gründung dabei und ist noch immer hellauf begeistert von dieser einzigartigen Community, die durch die Pflege des ge- meinsamen Hobbys entstanden ist. Das bestätigt auch Hans-Dieter Machuta, stellvertretender Vorstand: „Egal, welches Thema, man findet immer jemanden, der sich damit auskennt und Lust hat, einem bei Fragen oder Problemen zu helfen.“ Man müsse lediglich in den internen Chat schreiben. Doch die Nutzung der Werkstätten dieses Zusammenschlusses von Gleichgesinnten, für die es, neben einer grundsätzlichen Ein- weisung in die Maschinen, bei Bedarf auch interne Schulungen zum Umgang mit bestimmten Maschinen oder Techniken gibt, ist nur eine der diversen Säulen des Vereins. Von Anfang an war geplant, über die eigene Gemeinschaft hinaus zu wirken. Deswegen gibt es mehrere Workshops pro Monat mit Jugendlichen des BBW – die Teilnahme ist freiwillig, wird per Zertifikat bestätigt. Die Begeisterung, so hört man, sei so groß wie der Zulauf - vor allem, „weil die Kids dabei ‚fachfremde‘ Dinge“ lernen könnten. Unbeschreiblich sei der Stolz des Malers oder der Hauswirtschafterin beim Anblick eines selbst gefertigten Elektro- nik-Tannenbaums oder Schmuckkästchens. Und als man kurz vor Weihnachten die gemeinsam gebaute Murmelbahn – „4 x 1 Meter groß, mit allerlei Hindernissen“ – als Geschenk an den Kinder- garten übergeben habe, „da standen die Macher mit Tränen in den Augen vor den Kleinen, die die Bahn sofort in Beschlag nahmen“, berichtet bewegt Uwe Fricke, ebenfalls im Vorstand des Vereins, der die Kursprogramme koordiniert. Jugendlichen ein solches Erfolgsgefühl verschaffen zu können, sei ungemein befriedigend. Ebenso gut und wichtig sei es aber, schon den noch Jüngeren zu vermitteln, dass man technische Geräte nicht beim kleinsten De- fekt auf den Wertstoffhof bringen müsse. Deswegen gebe es die „Repair-Kids“-Workshops. Bei diesen Unterrichtsbesuchen, die Mitglieder des MakerSpace in den Grund-, Mittel- oder Realschu- len sowie Gymnasien der Gegend ehrenamtlichen absolvieren, „sollen die Kids lernen, dass das Reparieren sich lohnt.“ Jeder dür- fe ein kaputtes Teil mitbringen und unter Anleitung selbst Hand anlegen. Von der Diskokugel über den Fön bis zur Kaffeemaschine der Direktorin habe man schon alles dagehabt. „Dabei geht es zwar vor allem um Nachhaltigkeit, aber eben auch um Selbstwirksam- keit“, betont Fricke. Das sei auch der zentrale Gedanke beim Repair-Café, welches mo- natlich – abgesehen vom August – samstags in der Region stattfin- det. Entweder in Kirchseeon im Café Zam oder, in Zusammenarbeit mit dem Familien- und Bürgerzentrum (FBZ), im Pfarrsaal der Kir- che in Grafing. Auch dort stehe Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Bevor sie am jeweiligen Ort aktiv werden, packen die „Reparierer“ des MakerSpace jede Menge Werkzeug sowie „Stecker, Schalter und alte Kabel“ in ihre Ape, das kleine vereinseigene Repairmobil. Mit einer Spende können die Besucher der Repair Cafés sich für die Re- paratur und den angebotenen Kaffee und Kuchen erkenntlich zeigen. Finanziert wird alles ausschließlich über Mitgliedsbeiträge. „Natür- lich darf man uns auch was spenden“, sagt Graf augenzwinkernd. Schöner wäre es aber, wenn noch mehr Menschen den Weg in den Verein fänden, gerne auch Unter-18-Jährige: „Stichwort: Familien- mitgliedschaften.“ Und am schönsten wäre es, man fände eine größere Fläche mit einem Extra-Raum, um das Angebot erweitern zu können – vielleicht so- gar um bezahlte Seminare, wie es andere MakerSpace-Gruppen tun. „Gern hätten wir noch eine Metallwerkstatt, würden Schmuck-, Näh- und Töpferkurse machen wollen, vielleicht in Zusammenarbeit mit der VHS. Wir sind aktiv auf der Suche nach größeren Räumen“, erklärt Machuta. Oder man könnte die Workshops für Kinder und Jugendliche inten- sivieren, wie sie jetzt schon bei speziellen Gelegenheiten stattfinden – zum Beispiel T-Shirts bedrucken oder Bürstenroboter bauen. Dabei käme zum Tragen, was den MakerSpace jetzt schon ausmacht: die Weitergabe von Erfahrung und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen bei der Freude am Gestalten und Erhalten. Wer neugierig geworden ist, schaut am besten bei einer der zwei Ver- anstaltungen im Monat vorbei – der Offenen Werkstatt oder einem der „Spotlight“-Vorträge zu Themen wie ‚Gravieren mit Laser‘ oder ‚3-D-Druck‘. Die Termine – wie auch für das Repair-Café – finden sich (ganz einfach!) auf https://makerspace-ebe.de Text: Michaela Pelz i.A. des Marktes Kirchseeon, Foto: Jarmila Hajek Kennen auch Sie Menschen, die Besonderes leisten in Kirchseeon und eine Würdigung in dieser Rubrik verdienen? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an kirchseeon-aktuell@kirchseeon.de oder Ihren Anruf unter Tel. 08091 / 552-17. N O E E S H C R K N I I N E H C S N E M 6 2 0 2 / R E B M E T P E S 43