Menschen in Kirchseeon In unserem Ort gibt es zahlreiche Menschen, die besondere Geschichten zu erzählen haben. In dieser Rubrik stellen wir sie vor. V iele durchqueren sie täglich, die Schulgasse zwischen Münch- ner Straße und Rathausstraße. Doch nur die wenigsten ach- ten vermutlich auf den schmucklosen Bau an der Einmündung, die zum Pausenhof hinter dem Rathaus führt. Dabei befindet sich ge- rade dort eines der sozialen Herzstücke der Gemeinde: Die Nach- barschaftshilfe Kirchseeon (NHK), gegründet 1982 als Selbsthilfe für Bürgerinnen und Bürger. In den zahlreichen Aktenordnern an den Wänden der Büroräume, die eigentlich längst schon zu klein sind, stecken zahllose Schick- sale. Von Menschen, die vom ambulanten Pflegedienst der NHK versorgt werden. Von solchen, die von den hauswirtschaftlichen Leistungen profitieren, die die NHK anbietet. Von jenen, die sich – temporär (etwa nach einem Unfall) oder dauerhaft – selbst keine Mahlzeiten zubereiten können, weswegen sie froh und glücklich sind über das schmackhafte „Essen auf Rädern“ aus der Küche des AWO-Seniorenzentrums. Und von all denen, die sich dank des An- gebots im „Schlaraffenland“ (der örtlichen Tafel) mit Lebensmit- teln und wichtigen Alltagsprodukten versorgen können. Rund 40 Mitarbeitende – von der Pflegefachkraft bis zum Essens- fahrer - sind in den oben genannten Bereichen beruflich oder auf ehrenamtlicher Basis tätig. Sie alle sind dem Ersten Vorstand Mi- chael Hammer, der Einsatzleiterin Barbara Robl, im Büro für die Einsatzplanung der Pflegekräfte zuständig, der Pflegedienstleiterin Liane Heimerl und Christiane Mündner, zuständig für Organisa- tion und Abrechnung „Essen auf Rädern“ und Buchhaltung, natür- lich wohlvertraut. Doch auch zahlreiche der 50 Empfängerinnen und Empfänger des mobilen Mittagstisches, der Personen in den 30 Haushalten, in denen die Haushaltshilfen meist vier bis fünf Stunden im Monat für Ordnung sorgen und vor allem der 46 Pflegebedürftigen, um die sich die NHK kümmert, sind dem Team oft persönlich bekannt. Liane Heimerl betont, man sei darüber hinaus auch in sehr gu- tem Kontakt mit den Angehörigen. „Sie wissen, dass sie sich zu 100 Prozent auf uns verlassen, jederzeit anrufen und alles fragen können.“ Und wenn eine Heimunterbringung schließlich doch un- umgänglich sei, „bedanken sich viele, dass sie ohne uns ‚den Papa nicht so lange hätten daheimlassen können‘“, ergänzt Barbara Robl. „Nur weil wir dreimal am Tag kommen, können die anderen in die Arbeit gehen.“ Weil nicht nur die reine Versorgung, sondern auch die Ansprache und vor allem die feste Struktur so wichtig sei für die Pflegebedürf- tigen („manche stellen die Uhr danach“), lege man großen Wert auf Pünktlichkeit. „Die Leute brauchen ihren geregelten Ablauf.“ Liane Heimerl selbst hat sogar ihren Beruf durch die NHK gefun- den, erzählt die 57-Jährige. „Vorher war ich im Verkauf, doch mit kleinen Kindern passten die Arbeitszeiten nicht mehr.“ Im Fenster der NHK habe sie die Anzeige „Putzhilfe gesucht!“ gesehen. Gleich beim ersten Einsatz erkannte die anwesende Pflegeschwester ihr wahres Talent und ermunterte sie, eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren. „Also wurde ich Altenpflegerin.“ Das liegt mehr als 20 Jahre zurück, doch die Flexibilität für die Mitarbeitenden gibt es noch immer. Auf deren Bedürfnisse ein- zugehen, legt man hier großen Wert – wer möchte, kann nur jede zweite Woche arbeiten oder nur in Ausnahmefällen Spätdienst machen. Das ginge deswegen, weil man „ein kleiner Verein, orts- gebunden und nur lokal im Gemeindebereich Kirchseeon tätig“ sei, so Barbara Robl. Ein Verein allerdings lebt von der Zahl seiner Mitglieder. „235 haben wir aktuell“, weiß Michael Hammer. 2018 trat der frühere Versicherungskaufmann die Nachfolge von Maria Wollny als erster Vorstand an. Kennengelernt hatte der heute 71-Jährige die NHK, weil er sich während seiner Altersteilzeit sinnvoll betätigen wollte. Der Wahl-Kirchseeoner, der ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammt, unterstreicht die Bedeutung der Mitgliedschaft, die vielen Bürgerinnen und Bürgern vielleicht gar nicht klar sei. „Ohne Mit- glieder gäbe es keinen Verein. Und hätten wir mehr, könnte ich besser schlafen“, sagt er mit einem Lächeln. Das Angebot spiegle dabei durchaus den gesellschaftlichen Wandel wider. Wo in den ersten Jahren Kinderbetreuung im Vordergrund stand („aber eben nur stundenweise, während die Eltern jetzt Voll- zeit arbeiten und Ganztagsplätze brauchen“), nehme heute die Pflege einen großen Raum ein. „Wir beraten auch schon, bevor der akute Bedarf da ist. Zudem kennen wir passende Anlaufstellen, wenn es gilt, Anträge zu stellen oder weitere Dienste mit ins Boot zu holen, wie die SAPV oder den Hospizverein“, beschreibt Liane Heimerl ihr Aufgabenfeld. Zudem habe die Pflegeberatung für Kinder stark zugenommen: „Dabei wird im Auftrag des Medizinischen Dienstes zweimal jähr- lich festgestellt, ob die Pflege daheim gesichert ist und die kleinen Patienten richtig versorgt werden.“ Auch in den kommenden Jahren werde das Thema Pflege ein wich- tiger Schwerpunkt bleiben, betont Barbara Robl. Darum sei man so froh über die stabile Personalsituation. „Wir haben wieder Kapazi- täten, könnten noch weitere Menschen versorgen.“ Wer sich selbst ein Bild machen möchte, dürfe gerne einfach vor- beikommen. „Die Bürozeiten sind täglich von 8 bis 12 Uhr!“ Das Haus zu finden, ist leicht: Es ist leuchtend gelb. Text: Michaela Pelz i.A. des Marktes Kirchseeon, Foto: Jarmila Hajek Kennen auch Sie Menschen, die Besonderes leisten in Kirchseeon und eine Würdigung in dieser Rubrik verdienen? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an kirchseeon-aktuell@kirchseeon.de oder Ihren Anruf unter Tel. 08091 / 552-17. 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